Lage

Stadtteil Dresden-Johannstadt –
Wohnqualität erleben

Die Geschichte des heutigen Dresdner Stadtteils Johannstadt begann im Jahr 1874, als das zuvor für dieses Gebiet geltende Bauverbot aufgehoben wurde.

Ab 1872 verkehrte Dresdens erste Pferdestraßenbahn vom Schloßplatz nach Blasewitz. Zu diesem Zeitpunkt waren große Teile der späteren Johannstadt noch unbebaut. Erst mit Verabschiedung eines Bebauungsplanes 1874 begannen mehrere Baugesellschaften mit der Erschließung der Flächen. So ließ die Dresdner Ostend-Gesellschaft nördlich der Stübelallee villenartige Wohnhäuser errichten und an der Pfotenhauerstraße entstanden mehr­geschossige Mietshäuser. Am 6. November 1877 erhielt das neue Stadtviertel in Erinnerung an den 1873 verstorbenen sächsischen König Johann offiziell den Namen Johannstadt.

Lageplan


Bis zur Jahrhundertwende wurde fast die gesamte Johannstadt bebaut. Da das Stadtviertel von Beginn an vorrangig als Wohn­standort konzipiert war, gab es hier meist geschlossene Quartiere mit vier- bis fünfgeschossigen Mietshäusern. Im Umfeld des Großen Gartens prägten Villen das Straßenbild. Ledig­lich zwischen Blasewitzer und Blumenstraße siedelten sich einige industrielle Unternehmen an. Später entstanden kleinere Handwerks- und Gewerbebetriebe in den Hinterhöfen der Wohnblocks. Zu den bekanntesten Johannstädter Unternehmen gehörten die Kunst- und Lichtdruckanstalt Römmler & Jonas und die Karosserie­baufirma Gläser an der Arnoldstraße. Hinzu kamen eine Reihe von Zigarettenfabriken an der Pfotenhauer-, Blasewitzer und Fürstenstraße. Die Elbwiesen nutzte man für verschiedene Großveranstaltungen (Turnfest, Sängerbundfest) sowie als Schauplatz der Vogelwiese.

Blick in die Blumenstraße

Blick in die Blumenstraße

Im Zusammenhang mit dem Ausbau der Vorstadt wurden bis zum Ersten Weltkrieg auch eine Reihe öffentlicher Gebäude gebaut. So erhielt die Johannstadt 1891 in unmittelbarer Nachbarschaft des Trinitatisfriedhofes die Trinitatiskirche. 1902/04 folgte am Stephanienplatz die 1945 zerstörte Andreaskirche. Hinzu kamen vier Volksschulen, vier höhere Schulen sowie eine 1934 übergebene Berufsschule an der Gerokstraße. Zur Verbesserung der Verkehrsanbindung wurde 1875 – 77 die Albertbrücke errichtet. In ihrem Umfeld folgten nach der Jahrhundertwende weitere Gebäude wie das 1913 übergebene Stadthaus Johannstadt (heute Sparkasse), die Kunstgewerbeschule mit angeschlossenem Museum, mehrere Bauten für die Gewerbeschule und die Technischen Lehranstalten und das Postamt auf der Gerokstraße.

Auch auf dem Gebiet des Gesundheitswesens verfügt die Johannstadt über bedeutende Einrichtungen. Nachdem bereits 1878 an der Gerokstraße das Carolahaus errichtet worden war, entstand 1894 das katholische St.-Joseph-Stift. Vier Jahre später wurde im Birkenwäldchen mit dem Bau des Johannstädter Krankenhauses begonnen. Gemeinsam mit der früheren Städtischen Frauenklinik dient dieser mehrfach erweiterte und modernisierte Gebäudekomplex heute als Universitäts­klinikum.

Unmittelbare Nachbargebäude des Baugrundstücks, fotografiert aus dem öffentlichen Blumengarten.

Unmittelbare Nachbargebäude des Baugrundstücks, fotografiert aus dem öffentlichen Blumengarten.

Die Jo­hannstadt gehörte 1945 zu den am schwer­sten vom Luftangriff betroffenen Stadtteilen Dresdens. Mit Ausnahme einiger Wohnblöcke am Elbufer, am Bönischplatz und nördlich des Großen Gartens fielen fast alle Gebäude den Bomben zum Opfer, so dass die Einwohnerzahl zeitweise auf 4.000 Menschen sank. Bereits im Januar 1946 begann die großflächige Beräumung der Ruinen­felder. Ende der 50er Jahre entstanden dann an der Striesener und der Fetscherstraße die ersten neuen Wohnungen.

Ende der 1960er begann dann der planmäßige Wiederaufbau der zerstörten Johannstadt. In zwei Bauabschnitten entstanden ab 1969 über 6.300 Neubauwohnungen. Hinzu kamen einige öffentliche Gebäude wie Schulen, Einkaufszentren und Polikliniken. Diese Gebäude prägen bis heute große Teile der Johannstadt und wurden nach 1990 modernisiert. Heute befinden sich die Häuser meist im Besitz der Wohnungsgenossenschaft Johannstadt e.G. Einige Baulücken, u. a. am Fetscherplatz, wurden nach 1990 mit modernen Wohn- und Geschäftshäusern geschlossen bzw. warten noch auf ihre Neugestaltung. Seit 2012 verbindet die Waldschlösschenbrücke den Stadtteil mit der gegenüberliegenden Neustadt.

»Max-Planck-Institut für molekulare Zellbiologie und Genetik«, Pfotenhauerstraße 108

Die Pfotenhauerstraße

Die Pfotenhauerstraße wurde 1876 angelegt und bis 1895 durch die Aktiengesellschaft »Germania« mit mehrgeschossigen Mietshäusern bebaut. Hinzu kamen kleinere Gewerbebetriebe, wie z. B. die Zigarettenfabriken Arkadia (Nr. 36) und Bendler (Nr. 48). Noch vor dem Ersten Weltkrieg erfolgte eine Ergänzung der Bebauung durch Atelierhäuser der Kunstakademie und Bauten des Johannstädter Krankenhauses. Hier besaß u. a. der Bildhauer Georg Wrba, Schöpfer des »Rathaus­esels« und des Europabrunnens, sein Atelier (Nr. 81).

1878 erhielt die Pfotenhauerstraße ihren Namen nach dem ein Jahr zuvor verstorbenen Dresdner Oberbürgermeister Friedrich Wilhelm Pfotenhauer (1812 – 1877). Unter seiner Regie entwickelte sich die Stadt zur bedeutenden Verwaltungs- und Industriemetropole. Sein Grab befindet sich auf dem nahegelegenen Trinitatisfriedhof.

1945 wurden zahlreiche Gebäude an der Pfotenhauerstraße zerstört. An deren Stelle entstanden zwischen 1970 und 1975 mehrgeschossige Plattenbauten, kombiniert mit Versorgungseinrichtungen, Dienstleistungszentrum und Schulbauten. Im östlichen Teil prägen die Gebäude des ausgedehnten Komplexes des Universitätsklinikums (ehem. Medizinische Akademie) die Pfotenhauerstraße. Auf dem Gelände des ehemaligen Straßenbahnhofes wurde 1999 bis 2001 der moderne Neubau des Max-Planck-Institutes für molekulare Zellbiologie und Genetik errichtet.

Historischer Raddampfer der Sächsischen Dampfschiffahrt am Johannstädter Elbufer

Historischer Raddampfer der Sächsischen Dampfschiffahrt am Johannstädter Elbufer

Bürgerhospital

Die Mitte des 19. Jahrhunderts in der Friedrichstadt gegründete Einrichtung bezog 1890 ein neues Domizil auf der Pfotenhauerstraße. Das Städtische Bürgerhospital stand gemäß Satzung als gemeinnütziges Alters- und Pflegeheim »armen altersschwachen Bürgern von mindestens fünfzig Jahren und unbescholtenem Ruf« offen. Gegen eine Gebühr von 100 Talern erhielten die Bewohner lebenslang freie Wohnung, Pflege und ärztliche Unterstützung.

1945 wurde das Heim teilweise zerstört. Nach dem Wiederaufbau nutzten zeitweise städtische Dienststellen die Gebäude, bevor wieder ein Feierabendheim eingerichtet wurde. Heute bie­tet es als »Clara-Zetkin-Heim« Platz für ca. 230 pflegebedürftige Senioren. Ein 1971 an der Pfotenhauerstraße errichteter Erweiterungsbau wurde 2009/10 zum Mehrgenerationenhaus mit ca. 150 Wohnungen ausgebaut (Pfotenhauerstraße 86 – 88). Seit August 2010 erinnert eine Gedenktafel an der Fetscherstraße an Justus Friedrich Güntz. Der Dresdner Unternehmer war auch als Stifter aktiv und finanzierte neben dem Bürgerhospital auch das Krankenhaus Dresden-Neustadt, die Brunnenanlage am Albertplatz und den Gänsediebbrunnen.

Auf dem Gelände steht seit 1941 der sogenannte »Knabenbrunnen«. Dieser wurde 1936 für die Reichsgartenschau in Dresden angefertigt und wenige Jahre später in leicht veränderter Form zum Bürgerheim umgesetzt.

Blick in die Pfotenhauerstraße in unmittelbarer Nachbarschaft des Baugrundstücks

Kleingartenverein Jugendgarten

Der Kleingartenverein wurde 1914 gegründet und befindet sich in der Nähe der Auffahrt zur Waldschlösschenbrücke. Ursprünglich gab es auf dem Grundstück eine Radrennbahn, welche jedoch wegen Protesten der Anwohner wegen Lärmstörungen aufgegeben werden musste. Die Anlage ist ca. einen Hektar groß und besteht aus 47 Parzellen.

Internationale Gärten

Die Internationalen Gärten befinden sich in der ehemaligen Gleisschleife der Straßenbahn, welche bis zur Einstellung des Straßenbahnbetriebs Endstation der Ringstraßenbahn-Linie 26 war. Mit dem Projekt soll die Integration ausländischer Bewohner Dresdens unterstützt werden, die sich hier im Rahmen eines geförderten Projekts gärtnerisch betätigen können. Die Zukunft der Anlage ist jedoch unklar, da auf dem Areal der Bau eines Parkhauses vorgesehen ist.

Die Buchhandlung gegenüber, auf der Pfotenhauerstraße

Die Buchhandlung gegenüber, auf der Pfotenhauerstraße

Einnehmerhaus

Das landhausartige Gebäude mit Fachwerkobergeschoss (Nr. 107) wurde im 19. Jahrhundert als Akzisehaus an der damaligen Dresdner Stadtgrenze errichtet. Hier mussten für den Verkauf in der Stadt gedachte Waren angemeldet und die dafür geforderte Akzise, eine mehrwertsteuerähnliche Abgabe, bezahlt werden. Noch heute erinnert an der Fassade eine Schrifttafel »40. Hebestelle« mit dem Dresdner Stadtwappen an die einstige Funktion. 1875 wurde die Akzisepflicht aufgehoben. Das Haus dient seitdem Wohnzwecken.